General Zaruski ein Segeltörn von Danzig über Nexø nach Rostock

„All hands on deck, all hands on deck“ so lautet die knatterige Durchsage aus den Lautsprechern am ersten Morgen auf See. Wir, eine Mannschaft bestehend aus zwanzig Jugendlichen der Nationen Polen, Schweden und Deutschland, quälen sich also aus den Kojen und stellen sich in Gruppen auf das Deck, so wie man es ihnen Tags zuvor beigebracht hat. Der Kapitän möchte eine Wende machen und auf einem 28m langen Holzschiff, welches 1939 gebaut wurde, benötigt man dafür 30 Hände. Zu 8 bewegen wir also das 100m2 große Großsegel von Backbord nach Steuerbord. Anschließend gibt es pünktlich um 7.30 Uhr Frühstück, von der „galley watch“, dem Küchendienst, zubereitet.

Wir Trainees sind in vier Gruppen eingeteilt, die sich im 4 Stunden Takt abwechseln mit der Wache über die Navigation, das Steuern und den Ausguck. Pünktlich um 8 Uhr treffen sich alle am Heck und es wird feierlich die Flagge gehisst und die Glocke 8 mal geläutet. Der Kapitän hält eine kurze Rede, schaut, ob alle die Nacht gut überstanden haben und macht die Einteilung fürs morgendliche Putzen namens „happy hour“. Nachdem wir damit fertig sind, haben wir alle Programmpunkte abgearbeitet und können uns aufs Segeln konzentrieren. Die permanente Crew erklärt nebenbei viele Sachen zum Beispiel wie die sieben Segel und alle benötigten Seile auf Englisch heißen, wie man navigiert und die Instrumente richtig benutzt und die Bedeutung der verschiedenen Tonnen. Die Atmosphäre an Board ist tagsüber super, es wird am Schiff gearbeitet und viel gequatscht, wobei es immer die Sprachgrenzen zu überbrücken gilt. Die anschließende Nacht hat es für viele in sich. Mit sturmartigen Böen treibt es fast alle an Deck und viele beugen sich weit über der Reling, doch während man die Armen mit Wasserflaschen versorgt, strahlt die raue See und komplette Finsternis eine unendliche Weite und Freiheit aus. In der darauf folgenden Nacht erreichen wir morgens um 4 Uhr Nexø auf Bornholm und drei Menschen hüpfen von Board um auf dem Kai vor dem Schiff zu schlafen. Sie wollen sich nicht erträumen lassen, dass sie noch einmal 36 Stunden auf See sein werden um pünktlich zur Hansesail Rostock zu erreichen.

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