Vor der Reise:

Wir sind im März von Berlin nach Rostock umgezogen. Das war mit ziemlichem Stress verbunden. Als das Boot endlich segelklar ist, stehen in der Wohnung noch immer Umzugskartons. Wir schließen die Wohnung ab, überlassen unserer Nachbarin einen Schlüssel und starten am 18. Mai 2012 für mehrere Monate mit dem Ziel Norwegen. Warum? Die "Libra" ist unser zweites Zu Hause und Segeln hält uns auch mit über 70 Jahren in Schwung, auch wenneinige altersbedingte gesundheitliche Handikaps nicht zu verleugnen sind.


Route:

2012 5 30 egersund varbergVon Rostock aus besuchen wir Freunde auf Fehmarn. In Tagesetappen durch den Kleinen Belt treffen wir uns mit dänischen Bekannten in Brejning am Vejlefjord. Nach 3 Nachtfahrten, dabei ein Stopp in Skagen, sind wir 10 Tage nach dem Start in Egersund. Dort warten wir 9 Tage, bis endlich der  Starkwind aus Nord nachlässt. Wir versuchen, verlorene Zeit aufzuholen, segeln 2 Nächte bis Hardbakke am Indre Steinsund. Bei Sonne besteigen wir den 232 m hohen Ravnenipa und umwandern ihn am nächsten Tag. In Etappen segelnd mit viel Kreuzen, auch gegen Starkwind, und einer Pause in Florø, warten wir in Rugsund auf passenden Wind für Stadlandet. Am Abend des 14. Juni klappt die Umrundung des gefürchteten NW-Kaps. Morgens sind wir in Ålesund und treffen uns mit Seglern aus Schottland. Es sind Bekannte von Freunden aus Peterhead. Wieder mit Nachtfahrtetappen über die Hustadvika in das Insellabyrinth Sula nördlich der großen Inseln Hitra und Frøya, durch das Frohavet, vorbei an Rørvik, sind wir am 20. Juni in Brønnøysund. Wir besuchen unseren Freund „Hörby“, der allein mit seiner Katze auf der Privatinsel Buholmen lebt. Er war Lebensmittelhändler in Bonn und heiratete eine reiche norwegische Frau. Bei unserem ersten Treffen 2009 war sie gerade verstorben. Nach Überquerung des Polarkreises sind wir eine Nacht auf Sørfugløy. Quer über den Vestfjord geht es nach Røst, der südlichsten bewohnten Inselgruppe der Lofoten mit einer nicht ganz einfachen Ansteuerung. Es ist Sankt-Hans-Tag, Sommersonnenwende. Auf den Lofoten besuchen wir Sørvågen und Stamsund. Durch den engen Raftsund, mit Strom von hinten aber starkem Wind von vorn, erreichen wir Stokmarknes auf den Vesterålen. Bei einem Hafentag auf Bjarkøy erkunden wir die Insel. Das Wetter erlaubt es, außen um die große Insel Senja zu segeln. In dem geschützten Hafen Hamn i Senja nutzen wir einen Regentag zum Wäschewaschen. Nachts ohne Dunkelheit auf dem Malangen, früh durch den Rystraumen mit starkem Gezeitenstrom, vorbei an Tromsø und gegen starken Wind kreuzend auf dem Ullsfjorden, ankern wir in Nordlenangen am Fuß der Lyngenalpen. Nach einem Hafentag in Skjervøy, vorbei an Hammerfest, Stopp in Havøysund, durch den Magerøysund nach Honningsvåg auf der Nordkapinsel Magerøy, erreichen wir am 11. Juli Kjøllefjord. Es wird unser Umkehrpunkt. Wegen starkem Ostwind verzichten wir darauf, vorbei am Nordkinn, dem nördlichsten Punkt des europäischen Kontinents, weiter nach Osten zu segeln. Auch einen Besuch in der Bucht von Kjelvik verkneifen wir uns. Nur in Skarsvåg bleiben wir eine Nacht. Von unserem norwegischen Freund Leif bekommen wir Kamtschatka-Krabben geschenkt. Am Freitag dem 13. Juli segeln wir mit Ostwind nach Westen um das Nordkap. Wir sind nicht abergläubisch, sondern nutzen die letzte Gelegenheit, bevor uns wieder starker Westwind zum Abwarten zwingen würde. Von Hammerfest nehmen wir den inneren Weg vorbei an Øksfjord nach Bergsfjord. Bei einer Bergwanderung haben wir einen grandiosen Ausblick auf den idyllisch gelegenen Ort. Über das Loppa-Havet und den Kvænangen geht es in einen Fjord nach Alteidet. Dort auf dem Campingplatz sind wir mit Berliner Auto-Touristen verabredet. Am Tag darauf machen wir einen Abstecher zum Gletscher Øksfjordjøkelen am Ende des Jøkelfjordes und legen abends wieder mal in Skjervøy an. Für die Weiterfahrt wählen wir den Maursund und werden dafür mit Kreuzen auf dem Lyngenfjord bestraft. Nonstop weiter segelnd, vorbei an Tromsø, wieder durch den Rystraumen und den Malangen, durch den Gisund und die Brücke bei Finnsnes erreichen wir in der dritten Nacht Engenes. Keine 24 Stunden später gegen Mitternacht legen wir wieder ab, um im Tjeldsund mitlaufenden Gezeitenstrom zu haben. Die letzten Stunden bis Lødingen müssen wir bei Regen gegen Wind mit 20 kn und jetzt doch Strom von vorn kreuzen. In Lødingen halten uns Sturm und Regen dann fünf Tage fest. Erst am 27. Juli können wir weiter. Die nächsten Etappen sind die Lofoteninsel Skrova, Helnessund, Kjerringøy und Sør-Landegode in der Nähe von Bodø. Mühsam ist der weitere Weg, viel Kreuzen bei Regen und Starkwind, nach Støtt und Bolga. Vorbei an Sandnessjøn in einer Vollmondnacht sind wir am 4. August wieder in Brønnøysund bei „Hörby“ auf Buholmen. Nachmittags legen wir ab nach Møyhamna, einer kleinen Bucht am Fuß des Berges Torghatten. Am selben Tag noch wandern wir zu dem beeindruckenden Loch quer durch den Berg. Die nächsten Tagesetappen sind Leka, Sørgæslingan, über die Folla nach Stokksund und dann nach Storfosna. Zwei Tage warten wir wegen Starkwind aus SW. Als wir dann Richtung Frøy-Fjord starten, bekommen wir zwischen den großen Inseln Hitra und Frøya statt 3-4 Bft wieder 25 kn Wind aus West, „Litten Kyling“. Während ich verbissen im Frøy-Fjord kreuze und auf abnehmenden Wind hoffe, sucht Heidi verzweifelt einen Hafen. Schließlich findet sie Hopsjøn querab in dem schmalen Dolmsund hinter etlichen Inseln. Über die Hustadvika segeln wir wieder bei Nacht und erreichen am 13. August Molde. Nach erneutem Anlegen in Søvik bei Ålesund runden wir tags darauf mit achterlichem Wind Stadlandet und erreichen erst nach Sonnenuntergang die Insel Silda. Es folgen kurze Etappen nach Kalvåg und ein Hafentag mit Regen in Florø. Ein interessanter Abstecher wird der Dalsfjord mit dem Wasserfall Laukelandsfossen. Leider mit viel Motoranteil nach einer Nacht in Askvoll ankern wir südlich des Sognesjøn in der geschützten Bucht Vikingsvågen. Mit viel Kreuzen gegen wechselhaften südlichen Wind legen wir am 22. August in Strusshamn nördlich von Bergen an. Wir haben beim Anlegen Pech: beim Aufstoppen zieht sich eine dünne am Steg angebundene Leine in den Propeller. Ich tauche und sehe, es ist nicht nur die Schnur, sondern ein Drahtkorb, der sich zu einer Kugel zusammen gedreht hat. Nach einiger Aufregung werden wir am nächsten Tag durch einen Taucher des Redningsselskapet davon befreit. Ein Nachspiel zu Hause mit meiner Kaskoversicherung steht noch aus. Nachmittags fahren wir weiter und bleiben die Nacht südlich von Bergen in der Bucht Lysevågen an einer Muringtonne. Nach Buavåg am Bømlafjorden erkunden wir bei Starkwind einen Tag die Insel Utsira. Vier weitere Nächte warten wir bei Sturm auf der Insel Kvitsøy nahe Stavanger. 2012 06 08 hardbakke 2Erst am 31. August dreht der Wind, immer noch stark, auf Nord. Nur mit Fock geht es bei unruhiger See vorbei an Jærens Rev. Dann sind die Wellen bis Lista erträglich. Wir segeln weiter. Vor Kap Lindesnes wird es noch einmal konfus. Bei Vollmond genau um Mitternacht haben wir das SW-Kap querab. Der Wind hat auf West gedreht, die See wird ruhig. Bei Kristiansund bekommen wir eine SMS von Segelfreunden, die uns schon voraus sind. Sie fragen, ob wir schon auf dem Weg nach Dänemark wären. Nach GRIP-Daten bleibt die kommende Woche im Skagerrak Starkwind aus West. Mein Konzept ist es, der südnorwegischen Küste zu folgen. Nach kurzer Beratung entscheiden wir, die passende Windrichtung zu nutzen und nehmen Kurs auf Skagen. Bei Sonne nur mit Fock und achterlichem Wind um 20 kn laufen wir 6 kn Rumpfgeschwindigkeit. Abends kommen dunkle Wolken und zuweilen leichter Regen. Wieder um Mitternacht sind wir kurz vor Skagen Rev. Es herrscht dichter Schiffsverkehr. Der Wind hat von West auf Südwest gedreht. Auf dem Kattegat segeln wir weiter Richtung Südost zur schwedischen Küste. Eine Nacht bleiben wir im Hafen von Varberg. Am Nachmittag ist es ruhiger, die Sonne scheint. Nachts segeln wir dicht neben dem Verkehrstrennungsgebiet an Helsingborg vorbei. Hinter Kopenhagen wird es ungemütlich. Wir müssen gegen eine eklige Welle und auffrischendem Wind kreuzen. In Höhe Rødvig kann ich etwas abfallen. Die Libra marschiert los. Abends sind wir querab Møns Klint. Die erste Hälfte der Nacht ist stockdunkel. Der Wind dreht über West nach Nordwest. Heidi übernimmt die zweite Nachthälfte bei Mondschein und jetzt ruhiger See. Früh um 4 Uhr liegt Gedser Odde achteraus. Ausgerefft nehmen wir Kurs auf Warnemünde. Ich kann versäumten Schlaf nachholen. Unter Segeln sind wir um 10 Uhr des 5. September vor dem Steg unseres Heimathafens. Alle anderen deutschen Segler, mit denen wir Kontakt hatten, sind in kurzen Etappen eine bis drei Wochen länger entlang der norwegischen und schwedischen Küste oft wieder mit Wind von vorn gesegelt. Wir fahren statt dessen für 6 Tage nach Berlin und sind rechtzeitig dort zu einem 70. Geburtstag im Freundeskreis.


Höhepunkte der Reise:

  • Viele neue Begegnungen mit anderen Seglern, Norwegern und dort lebenden Deutschen
  • 32 der insgesamt 60 Häfen waren neu: u. a. Brejning am Vejlefjord, Hardbakke am Indre Steinsund, Rugsund beim Hornelen, Søvik bei Ålesund, Sula nördlich der großen Inseln Hitra und Frøya, die Inseln Sørfugløy, Røst/Lofoten, Bjarkøy, Hamn i Senja, der Kjøllefjord, Bergsfjord, Alteidet, Engenes, Skrova, Sør-Landegode, das alte Fischerdorf auf Sørgæslingan, Stokksund, Hopsjøn im Dolmsund, Kalvåg, Dale, die Ankerbucht Vikingsvågen und die Bucht Lysevågen mit der Villa des Geigers Ole Bull, die Inseln Utsira und Kvitsøy
  • beeindruckende Landschaftserlebnisse: Besteigung des Ravnenipa bei Hardbakke, die Lofoten von Røst bisStamsund, der Trollfjord, die tiefen Fjorde an der Außenseite der Insel Senja, die Lyngenalpen, der Kjøllefjord mit der Finnkirka, der Gletscher Øksfjordjøkelen am Ende des Jøkelfjordes, Wanderung zu dem Loch im Berg Torghatten, der Dalsfjord mit dem Wasserfall Laukelandsfossen
  • zum dritten mal waren wir am Nordkap
  • sehr erfolgreiches Angeln unterwegs

 

Zusammenfassung:

An insgesamt 111 Tagen, davon 85 Fahrtentage, 26 Hafentage, haben wir 3752 sm zurückgelegt, davon 738 sm (20%) notgedrungen unter Motor. Durchs Wasser waren es wegen oftmals Strom von vorn 136 sm mehr. Es wurden 233,5 zumeist langsamer Motorstunden registriert. Das sind 24% der gesamten Fahrstunden. Bezogen auf die Gesamtzeit von 111 Tagen waren wir 37% der Zeit in Fahrt. 20 Nächte sind wir über 24 Uhr hinaus durchgesegelt, aber nicht immer wurde es dunkel. Nur einmal nach der Rundung von Stadlandet sind wir im Dunkeln in einen Hafen gefahren. Alle technischen Probleme (u. a. Reparatur des Dieselkochers, neu Einkleben eines Rohrstutzens an einem Seeventil, Nachspannen des Keilriemens) konnte ich selbst lösen, nur für das Entfernen einer Krabbenreuse aus dem Propeller brauchte ich die Hilfe eines Tauchers.

Die Bilder zum Törn >>>

Tabellarische Übersicht >>>

Den ausführlichen Bericht findet ihr hier >>>

Regattatermine 2018

09. Mai bis 20. Juni
Mittwochsregatta Teil 1
(WSC,ASVW)

11. Mai bis 22. Juni
Freitagsregatta Teil 1
(ROYC)

19. Mai
Pfingstregatta
(MYCR,ROYC,KYC)

22.-25. Juni
Midsummercup
(ASVW)

07.-15. Juli
81. Warnemünder Woche
(WSC)

15. August bis 26. September
Mittwochsregatta Teil 2
(WSC,ASVW)

31. August bis 28. September
Freitagsregatta Teil 2
(ROYC)

01.-02. September
Gedser Cup
(ASVW)

08. September
Blaues Band der Warnow
(MYCR)

15. September
Sandemancup
(YCW)

22. September
Hohe Düne Cup

(HYzD)

17. November
Yeti Cup

(YCW)

Veröffentlichung

Möchtet Ihr euren Fahrtenbericht oder Bilder der Fahrt online stellen, so könnt Ihr diese gern unseren Pressesprecher

presse@ssv-rostock.de

zukommen lassen.

Der SSV Rostock ist Mitglied im...

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